Wie kann ich meinem Bruder helfen

Meine Frage

Hallo,
mein Name ist …, ich bin 22 Jahre alt.
Es kann jetzt sein das sie sehr viel zu lesen bekommen aber ich denke das ist notwendig damit sie die ganze Bandbreite der Situation begreifen.


In meiner Kindheit wurde ich von meiner Mutter (und später auch von meinem Vater, den ich erst mit 14 kennengelernt hatte) aus niederen Beweggründen körperlich verletzt. Allerdings nie so das gefahr für mein leben bestand. Zudem war ich psychischer Gewalt ausgesetzt. Ich wurde Regelmäßig für alles mit körperlicher Gewalt bestraft, ob ich nun Schuld war oder nicht. Leider Gottes hat sich dieses Denken sehr in mein Leben eingeprägt, so dass es dazu kam das ich mich auch selbst zur bestrafung verletzen muss. Ich bin deswegen auch in Therapie in Ansbach.

Ich wäre nur zu gerne Strafrechlich dagegen vorggegangen. Ich habe auch als Kind schon versucht mir Hilfe zu holen. Aber alles was dabei rausgekommen ist, das ich mich während dem Gespräch zwischen meiner Mutter, dem Psychologen und mir sehr eingeschüchtert gefühlt habe, was es meiner Mutter erleichterte, ihn der art zu manipulieren, das er das nicht als so ernst erachtet hat und damit einverstanden war das ihm meine Mutter versichert das dass nicht nochmal passieren würde, was natürlich eine lüge war. Seit dem habe ich leider nicht mehr versucht etwas in dieser Richtung zu unternehmen. Selbst bis heute nicht, auch wenn das alles jetzt schon 6 Jahre her ist, dass ich das letzte mal dem allen ausgesetzt gewesen bin.

Jetzt meine Frage. Da ich einen Bruder habe, der erst 6 Jahre alt ist, und der bei meiner Mutter lebt, habe ich sehr große Angst um ihn. Ich würde ihm gerne Helfen aber ich kann ihm nicht direkt helfen, weil das bedueten würde das ich ja doch Kontakt mit ihr aufnehmen müsste. Das kann ich aber nicht weil ich dem Emotionalen Druck nicht standhalten kann.

 

Kann ich irgendwie vlt. gegen die Gewalt vorgehen die mir wiederfahren ist um meinen Bruder zu schützen und so womöglich das Jugendamt darauf aufmerksam machen. Mir ist klar das die Verjährungsfrist für Körperverletzung nur 5 Jahre beträgt. Aber vlt gibt es ja doch eine lösung.

Ich will meinem Bruder helfen, weiß aber nicht wie. Ich will nicht das er in dieselbe Schine rutscht wie. Ich muss dazu sagen das ich eine Borderlinepersöhnlichkeitsstörung habe und als doppeldiagnosen: Angststörung und Alkohol- und Canabisabhängigkeit. Und eben dies würde ich gerne meinem Bruder ersparen.

vielen Dank das sie das gelesen haben.
(Name des Ratsuchenden liegt uns vor)

Antwort von Herrn Rechtsanwalt Hüttemann

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, zu der ich auf der Grundlage Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt Stellung nehme.

Unter den von Ihnen geschilderten Bedingungen wird es nicht einfach sein, auf den Gang der Dinge Einfluss zu nehmen, da Sie aus begreiflichen Gründen den Kontakt zu Ihrer Mutter abgebrochen haben. Ob Sie überhaupt durch Gesprächseinwirkung in Anbetracht der Schwere der zurückliegenden Vorfälle etwas bei Ihrer Mutter erreichen könnten, mag im Übrigen dahin stehen.

Es würde sich daher anbieten, dass Sie sich Ihrem Therapeuten vollumfänglich anvertrauen und mit diesem Möglichkeiten erwägen, Ihrem Bruder eine Wiederholung Ihres Schicksals zu ersparen. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang etwa die Einschaltung des Jugendamtes – und gegebenenfalls auch des Familiengerichts – , wenn tatsächlich konkrete und einer Nachprüfung standhaltende Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass Ihr Bruder ähnlichen Misshandlungen ausgesetzt sein könnte wie Sie als Kind und Jugendlicher.

Schließlich haben Sie auch noch immer die Möglichkeit, Ihre Mutter für das Ihnen widerfahrene Unrecht zur Verantwortung zu ziehen. In Betracht kommt unter den geschilderten Umständen insbesondere eine Strafbarkeit gemäß § 225 StGB wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen. Zu Ihrer Orientierung nachfolgend der Wortlaut der Vorschrift:

Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose Person, die
1.
seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
2.
seinem Hausstand angehört,
3.
von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt überlassen worden oder
4.
ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet ist,
quält oder roh mißhandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

Mögliche Straftaten nach § 225 StGB wären noch nicht verjährt, denn in solchen Fällen ruht die Verjährung, bis das Opfer das 18.Lebensjahr vollendet hat (§ 78b StGB).

Ich hoffe, Ihnen einen angemessenen Überblick über die Rechtslage verschafft zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Kristian Hüttemann
Rechtsanwalt