Falschberatung durch Bank 


Meine Frage

Guten Tag

Mein Fall ist folgender:
Mein alter Vater (75) ist von der Postbank in Immobilienfonds gelockt worden.

Vorher hatte er Fest und Tages Geld Produkte der Postbank. Nun ist ihm das Geld aus der Tasche gezogen worden obwohl er eine sichere Anlagemöglichkeit wollte riet man zum Kauf von CS Euro Real A Anteilen Ausgabekurs 59€+5%Agio +1% Verwaltungsaufwendung (853 STÜCK) (momentaner Börsenkurs 52,35€) und Grundbesitz Europa RC zu 41€ je Stück (1744STÜCK) dessen Börsenkurs ist fast identisch mit dem Rückgabekurs so das nur die 5%Agio und die Managementgebühr verloren sind.

Zudem wurden beide Papiere ausserbörslich beim Emmitenten erworben anstatt über die deutlich preiswertere Variante Börse.

Frage: Ist dies konform mit dem Kundenwunsch nach einer sicheren Geldanlage wenn man zwischen 18 und 30% Kosten zusätzlich hat?

Meine Rechtsempfindung ist da eine Andere, fällt dies vielleicht schon unter den Straftatbestand Betrug oder ist es eine Falschberatung mit Schadenersatzpflicht?

Für die Bearbeitung bedanke ich mich im Vorraus.

Mit freundlichen Grüßen

(Name des Ratsuchenden liegt uns vor)

Antwort von Herrn Rechtsanwalt Hüttemann

Rechtsanwalt Hüttemann, 33449 Langenberg

Schwerpunkt: Verbraucherrecht

Vertretungsbefugt bei allen Amtsgerichten, Landgerichten und Oberlandesgerichten

Sehr gehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, zu der ich auf der Grundlage Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt Stellung nehme.

Strafrechtlich erheblich im Sinne einer Betrugshandlung ist das von Ihnen geschilderte Verhalten noch nicht. Allerdings kommen unter bestimmten Voraussetzungen Schadensersatzansprüche gegen den Bankmitarbeiter, insbesondere aber auch gegen die Bank selbst in Betracht, die sich das Verhalten ihres Mitarbeiters grundsätzlich zurechnen lassen muss.

Die Haftung der Banken aufgrund von Falschberatung ist in erster Linie ein Beweisproblem, denn grundsätzlich obliegt es immer demjenigen, der einen Schadensersatzasnpruch geltend macht, die Voraussetzungen hierfür auch darzulegen und unter Beweis zu stellen. Das bedeuet, dass stets der geschädigte Kleinanleger in der Pflicht steht, Tatsachen vorzutragen, aus denen sich eine konkrete Pflichtverletzung im Sinne einer Falschberatung mit einem daraus entstehenden materiellen Schaden ergeben muss. Auch die im Zuge der Finanzkrise diskutierte Umkehr der Beweislast zugunsten der Bankkunden hat sich leider aufgrund der Widerstände in der Banken- und Finanzdientslestungsbranche nicht durchsetzen können.

Folge ist, dass der Bankkunde die volle Darlegungs- und Beweislast für die Falschberatung und einen daraus entstehenden Schaden trifft. Die einzige substanzielle Verbesserung, die die letzte Zeit unter dem Eindruck des vielfach beklagten fahrlässigen und profitorientierten Umgangs mit Bankkunden gebracht hat, ist die Verpflichtung zu Beratungsprotokollen Sie sollen Klarheit über den Inhalt des Anlagegespräches zwischen Bankberater und Kunden verschaffen und diesen in die Lage versetzen, mögliche Schadensersatzansprüche wegen Falschberatung anhand des Beratungsprotokolls auch darlegen und unter Beweis stellen zu können.

Ergibt sich auf der Grundlage des Beratungsprotokolls, dass etwa dem Kunden entgegen seinem ausdrücklichen Wunsch nach einer sicheren Geldanlage hochspekulative Zertifikate oder Rohstofffonds verkauft werden, lässt sich eine Falschberatung darlegen und beweisen.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Aussichten, eine Falschberatung im Falle Ihres Vaters beweisen zu können, eher gering, denn grundsätzlich gelten offene Immobilienfonds als sichere Kapitalanlagen. Allerdings mit einer Einschränkung, die auch in diesem Fall von Bedeutung sein könnte: Die offenen Immobilienfonds sind seit nunmher drei Jahren in der Krise, und das Investorenvertrauen in diese Anlageklasse ist massiv eingebrochen. Das hat zu extremen Mittelabflüssen und in der Folge zur Schließung einer Vielzahl von offenen Immobilienfonds geführt. Davon ist auch der CS Euroreal betroffen.

Sollte sich erweisen, dass der Bankberater Ihren Vater über diese Umstände nicht aufgeklärt hat, ihn insbesondere darüber im Unklaren gelassen hat dass der CS Euroreal geschlossen ist und erworbene Anteile derzeit nicht zurücknimmt, bestehen durchaus gute Aussichten auf einen Schadensersatzanspruch.

Sollten diese Voraussetzungen vorliegen, empfehle ich Ihnen dringend, sich in die Beratung eines auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Rechtsanwalts vor Ort zu begeben.

Ich hoffe, Ihnen einen angemessenen Überblick über die Rechtslage verschafft zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Kristian Hüttemann
Rechtsanwalt