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Überschuldung und Wege aus der Überschuldung
Was bedeutet persönliche Überschuldung
In Deutschland ist es üblich, dass die Menschen ihre Häuser, Wohnungen, Autos, Möbel, Urlaubsreisen und Kleidung durch die Aufnahme von Krediten finanzieren. Die Kreditaufnahme ist, ein regelmäßiges Einkommen vorausgesetzt, einfach und unproblematisch, besonders wenn den Kreditnehmern ausreichend finanzielle Mittel zum Tilgen der entsprechenden Kreditraten zur Verfügung stehen und dabei auch berücksichtigt wurde, dass nicht vorhersehbare Ausgaben entstehen können, und sich auch die Einkommenssituation rückläufig entwickeln kann.
Gründe für Überschuldung
Doch genau das kalkulieren viele Kreditnehmer nicht ein und können durch solche Ereignisse wie Scheidung oder Arbeitslosigkeit dementsprechend hart getroffen werden. Weitere Ursache für Überschuldung ist auch, dass ständig und immer über die Verhältnisse gelebt wird und nicht bedacht mit Geld umgegangen werden kann. Die Folgen daraus machen sich dann schnell bemerkbar, es kommen Mahnungen mit der Post, der Dispo wird gekündigt und die Kreditkarte wird eingezogen. Wenn die Miete nicht mehr bezahlt werden konnte droht auch die Kündigung der Wohnung und dann steht plötzlich der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Gerade kritische Lebensereignisse wie Scheidung oder der Tod führen vielfach dann auch zu Krankheiten wie Depressionen und dem Verlust der Perspektive. Plötzlich ist alles nicht mehr, wie es war – die Überschuldung ist einfach da. (Wikipedia Definition Schuldenfalle)
Wenn das monatliche Einkommen nicht mehr ausreicht, um die fixen Kosten für die Lebenshaltung und die Raten zu bezahlen, dann wird von Überschuldung gesprochen, gerade dann, wenn die Situation nicht kurzfristig ist.
Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz
Professionelle Hilfe und Beratung bieten dann die Schuldenberatungsstellen. Letztendlich besteht seit 1999 die Möglichkeit, für private Verbraucher ein Insolvenzverfahren anzumelden. (Wikipedia Definition Schuldnerberatung und Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung)
Was kann der Überschuldete zur selbst unternehmen?
Oft versuchen Menschen, denen die Schulden über den Kopf wachsen zuerst, neue Kredite aufzunehmen, um bestehende Forderungen zu begleichen, ohne den entsprechenden Kassensturz durchgeführt zu haben. Doch eine Umschuldung macht wenn überhaupt, nur dann einen Sinn, wenn ein entsprechendes Konzept entworfen wurde, um sich zu sanieren. Das läuft im Privathaushalt nicht anders als bei einem Unternehmen. Dazu muss geprüft werden, ob es möglich ist, zusätzliche Einnahmequellen zum Beispiel durch einen Nebenjob aufzutun und die Ausgaben sind durch entsprechende Einsparungen erheblich zu reduzieren.
Ohne jeglichen Plan wird eine Umschuldung die Misere eher noch weiter vertiefen.
Die Überschuldeten sollten sich nicht an Kreditvermittler wenden, die über die Presse Kredite auch in schwierigen Fällen bewerben. Oft sind dann schon nur für die Zusendung der Unterlagen Gebühren zu entrichten.
Egal, wie sich die Schuldner entscheiden, wenn die Schulden zur Last werden, kann jeder Einzelne, auch bevor er in eine Schuldnerberatung geht, etwas tun, um die Regulierung der Schulden anzupacken:
- Überblick über aktuelle finanzielle Situation verschaffen
- Eigenauskunft bei der Schufa einholen
- Eröffnung eines Kontos auf Guthabenbasis
- Ausgaben verringern
Überblick über aktuelle finanzielle Situation verschaffen
Zuerst sollte ein sogenannter Kassensturz gemacht werden, damit ist eine Aufstellung über alle aktuellen Einnahmen und Ausgaben gemeint und eine Liste über alle unerledigten Zahlungsverpflichtungen kann auch vorbereitet werden. Dazu sind alle Unterlagen zu Mahnungen oder Pfändungen etc. zu sortieren.
Der Schuldner muss sich einen Überblick verschaffen und die derzeitige Situation analysieren. Dazu sollte Ordnung geschafft werden und alle vorhandenen Unterlagen, die oft in der ganzen Wohnung verstreut sind, sollten sortiert werden. Parallel dazu sollten alle Kreditverträge, die Rechnungen und Kaufverträge in einem Ordner abgeheftet werden. Ähnlich ist mit Mahn- und Vollstreckungsbescheiden, Forderungsaufstellungen und vorhandenen Bezahltnachweisen zu verfahren. Dabei ist es wichtig eine zeitliche Reihenfolge einzuhalten, die ältesten Schreiben liegen dann unten und die Aktuellen ganz oben.
Eigenauskunft bei der Schufa einholen
Bei der Schufa kann eine Eigenauskunft beantragt werden, um zu erfahren, welche Gläubiger dort was eingemeldet haben. Die Gläubiger können telefonisch oder schriftlich kontaktiert werden, damit sie eine aktuelle Aufstellung ihrer Forderungen schicken, diese müssen dann auf ihre Berechtigung geprüft werden.
Unterschreiben sie nicht übereilt von einem Inkassobüro erstellte Schuldanerkenntnisse!!
Inkassomitarbeitern kann der Zutritt in die Wohnung verweigert werden, nur der Gerichtsvollzieher hat berechtigten Zutritt.
Eröffnung eines Kontos auf Guthabenbasis
Besteht schon kein eigenes Konto mehr, sollte bei einer Sparkasse die Eröffnung eines Girokontos auf Guthabenbasis beantragt werden. Vom Gesetz sind die Banken verpflichtet, jedem Menschen die Führung eines Girokontos zu ermöglichen.
Ist alles sortiert, kann der Schuldner prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, kurzfristig die Einnahmen zu erhöhen zum Beispiel durch einen Nebenjob. Eventuell können staatliche Hilfsleistungen beansprucht werden, die nur beantragt werden müssen.
Ausgaben verringern
Dann geht es an die Ausgaben, da sind immer viele Einsparpotenziale, so zum Beispiel
- beim Telefonieren durch Anbieterwechsel
- Stromkosten sparen
- bestehenden Versicherungen prüfen und überflüssige kündigen oder in einen billigen Tarif wechseln
- Lebensversicherungen ruhen lassen
- das überzogene Girokonto durch einen Ratenkredit umschulden
- überflüssige Abos wie zum Beispiel von Zeitschriften oder Premiere kündigen
- Lebensmittel nur noch im Discounter einkaufen
- keine Bestellungen mehr bei den Versandhäusern tätigen
- keinen neuen Kredit aufnehmen, auch keinen Kredit ohne Schufa.
Immer dafür sorgen, dass die Miete und die Stromkosten bezahlt werden. Der Verlust der Wohnung oder ein Leben ohne Strom sind unbedingt zu vermeiden.
Mehr Informationen gibt es im Ratgeber der staatlichen Schuldnerberatung: Ratgeber Schuldnerberatung
Staatliche Schuldnerberatung
Sind alle diese Maßnahmen nicht ausreichend, weil die Ausgaben immer noch die Einnahmen übersteigen, sollte dringend professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, von einer staatlichen Schuldnerberatung, nicht von einem freiberuflichen Schuldnerberater, der will auch nur Geld verdienen und es entstehen nur neue Kosten.
Ein Schuldnerberater nimmt dann auch Kontakt mit den Gläubigern auf und schildert die Situation als Außenstehender kompetenter Fachmann. Viele Gläubiger lassen sich auf einen Vergleich ein, denn sie wissen, dass sie bei einer privaten Insolvenz alle Ansprüche abschreiben können und unter Umständen auf den gesamten Schulden sitzen bleiben. Dann verfahren die Gläubiger auch oft nach dem Sprichwort „besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“. Vielen Schuldnerberatern gelingt es allein auf die Weise, die Schulden beträchtlich zu reduzieren.
Bringt der Versuch der außergerichtlichen Schuldenregulierung nicht den gewünschten Erfolg, bleibt dem Überschuldeten letztlich der letzte gangbare Weg in die Verbraucherinsolvenz. (Wikipedia Definition Verbraucherinsolvenz)
Mithilfe eines Verbraucherinsolvenzverfahrens mit sich anschließender Befreiung von der Restschuld können die Schuldner auch gegen den Willen ihre Gläubiger eine Schuldenbefreiung erlangen.
Das Verbraucherinsolvenzverfahren läuft in drei Etappen ab, der außergerichtliche Einigungsversuch, das gerichtliche Verfahren zur Schuldenbereinigung und vereinfachtes Insolvenzverfahren und die sich anschließende Wohlverhaltensphase von sechs Jahren.
Danach haben alle Überschuldeten die Chance auf einen Neubeginn ohne Schulden.

